Wie nah kommen wir uns am Bildschirm?

by MF

Eure Meinung ist gefragt!

Es gibt ein interessantes Phänomen, wenn man per Zoom oder Teams, Meet oder Skype am Bildschirm mit anderen Menschen zusammenkommt: Es ist nicht möglich, dem Gesprächspartner gleichzeitig in die Augen zu schauen und seinen Blick auf uns zu sehen. Entweder wir schauen in die Kamera unseres Computers oder wir schauen in die Augen des Gegenübers.

Das ist vielleicht nur ein Grund, warum sich eine tiefe Nähe oft nicht herstellen will über den Bildschirm. Natürlich fehlen auch andere grundlegende Elemente eines leiblichen Zusammenseines: Den Körper, die Stimme, den Geruch des Anderen können wir über den Bildschirm gar nicht oder nur sehr eingeschränkt wahrnehmen. Der Soziologe Hartmut Rosa (der, so Corona ihn lässt, im November unsere Gemeinde besuchen wird) spricht von der eingeschränkten Resonanz der Bildschirmkommunikation.

Gut ist es natürlich, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben, auf diese neue technische Art und Weise miteinander im Kontakt zu sein. Auch, dass wir über unsere Bildschirme gemeinsam Gottesdienste feiern können, ist durchaus ein Segen in dieser eingeschränkten Zeit.

Mich interessiert, wir ihr die Nähe zu anderen Menschen über den Bildschirm erlebt. Wie ist es, wenn ihr mit euren Arbeitskolleginnen, euren Enkeln oder Ehepartnern über den Bildschirm verbunden seid? Wie nah kommt ihr euch? Seid ihr froh über die Nähe oder schmerzt die Entfernung? Oder ist da von beiden etwas?

Ich freue mich, wenn ihr hier in der Kommentarspalte etwas schreiben wollt. Und vielleicht entsteht so ja ein kleines Gespräch. Worte, mit denen wir uns nahe kommen…

Comments 3
  • Bei Gesprächen über ein (technisch gutes) Video Telefonat empfinde ich durchaus Nähe. Deutlich mehr Nähe als z.B. bei einem normalen Telefongespräch. Denn die Mimik und Gestik, winzige, nur halbbewusst wahrgenommene Bewegungen vermitteln ein viel deutlicheres Bild von Stimmungslage und Intention des Sprechenden, als nur Stimme und Tonfall bei einem Telefonat. Je mehr Wahrnehmungen ich habe, desto besser kann ich darauf reagieren, desto mehr echter Austausch ist möglich und damit Nähe. – Eher schmerzlich erlebe ich diese Nähe bei meinen Verwandten, zu denen ich den physischen Kontakt schmerzlich vermisse: meine Schwester in Deutschland, mein Sohn und meine Schwiegertochter mit den Enkeln in der Schweiz. Wobei die Enkel, 9 und 10, gar keine Videotelefonate mögen zu meinem Leidwesen. – Ich habe viele Freunde in Deutschland, zu denen ich seit Jahren die Freundschaft hauptsächlich über Zoom und Skype pflege. Über die Jahre habe ich gemerkt, dass die Verbindung dadurch viel inniger bleibt als zu denjenigen Freunden, die nicht die Möglichkeit dazu haben. Zoom hilft, die Nähe zu erhalten. Ich habe sogar schon neue Freunde kennengelernt, die ich erst über Zoom und dann erst „live“ kennengelernt habe, da war dann direkt die Vertrautheit da, die man eben mit alten Bekannten empfindet.

  • Mag sein, dass virtuelle Nähe für den einen oder andren in dieser technischen Welt von Bedeutung und die einzige Option ist.
    In meiner Lebensphase wertschätze ich jedoch lebende Augen und Gesten mehr. Weil sie segenspendender für mich sind.
    Gottes Segen hat man mir bis heute 24 mal gewünscht.
    All denen, die mir diesen Segen in welcher Form auch immer gewünscht haben, möchte ich an dieser Stelle aus tiefem Herzen danken.
    So muß alles ein gutes Ende haben .
    Peter Schild

  • Zwei unterschiedliche Stimmen zum Thema, die wohl auch die Bandbreite ausdrücken, mit der man die Nähe in der virtuellen Welt erleben kann. Mir geht es tatsächlich so, dass das Empfinden von Nähe schwankt. Aber nach einem Jahr der intensiven Nutzung muss ich doch sagen, eine Nähe wie im „echten“ Leben hat sich nie herstellen lassen.

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